Konzept
Seit 1990 sind in Deutschland über 200 Menschen durch rechte Gewalt ums Leben gekommen – 200 Schicksale, die oft aus unserem kollektiven Gedächtnis verschwinden. »Rechtes Land« dokumentiert die Tatorte dieser abscheulichen Taten, setzt sich mit der anhaltenden Präsenz des Rechtsextremismus im Land auseinander und schafft dabei einen bisher einzigartigen visuellen Katalog. In großformatigen Fotografien werden diese leeren Bühnen in ihrer unheimlichen Banalität festgehalten und mit Texten gepaart, die die Geschichten der Opfer wieder aufleben lassen. Dieses wachsende Archiv dient als eindringlicher Index rechtsextremer Gewalt und fordert uns auf, uns zu erinnern, zu reflektieren und Widerstand zu leisten.
Im Jahr 2025 ging die rechtsextreme AfD als zweitstärkste Partei in Deutschland hervor. Rechtes Gedankengut und Gewalt durchdringen wieder die Gesellschaft. Wenn die Fotografie eine wichtige Rolle spielt, dann ist es in der Tat, um sicherzustellen, dass wir all denen gedenken, deren Leben durch Intoleranz, Hass und Gewalt zerstört wurde. Nach vorne zu blicken bedeutet, sich der Vergangenheit zu stellen – stellen wir uns dem Hass entgegen.
Vita
Julius Schien kam mit Ende 20 zur Fotografie und studiert Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover.
In seiner Fotografie sucht er vor allem nach Antworten auf die Frage, was es bedeutet, sich mit dem politischen Erbe Deutschlands und der rechten Kontinuität des Landes auseinanderzusetzen. Dabei will er längst vergessene Geschichten rechter Gewalt aufzeigen, die in scheinbar düsteren Landschaften und Stadtporträts unter der Oberfläche des Alltags liegen. Seine Arbeiten entstehen im analogen Großformat.
Seit 2021 arbeitet er an der Recherche und anschließenden Realisierung seines Langzeitprojekts »Rechtes Land«, in dem er jeden einzelnen Ort dokumentieren will, an dem seit der deutschen Wiedervereinigung Menschen durch Akte rechter Gewalt ums Leben gekommen sind.
Die Arbeit wurde 2023 mit einer Honorable Mention im Schweizer Förderprogramm »TruePicture« ausgezeichnet und beim Open Portfolio Walk in den Deichtorhallen Hamburg als »Best Portfolio 2024« ausgezeichnet.
Er ist ausgewählter Künstler der Triennale der Photographie in Hamburg für die europäische Fotografieplattform FUTURES.
Julius lebt und arbeitet in Hannover, Deutschland.